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Gedanken des Bürgermeisters zum Volkstrauertag 2022

09. 11. 2022

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

auch dieses Jahr ist es mir ein dringendes Anliegen auf die Gewichtung des am Sonntag stattfindenden Volkstrauertages hinzuweisen. In den vergangenen 18 Jahren ist mir vieles gelungen, auf das ich gerne zurückblicke. Eines aber konnte ich sichtbar nicht erreichen, nämlich, dass die Menschen um mich herum diesen besonderen Tag merklich schätzen und über die persönlichen Belange hinaus diesen einen Tag im Jahr, an dem wir unseren Friedenswillen bekunden dürfen, würdigen. Ich könnte nahezu jeden der Teilnehmer aufzählen und ihnen ihren Platz bei den Gedenkveranstaltungen zuweisen. Es sind in sinkender Zahl immer die Gleichen. Und wenn ich in die Gesichter schaue, weiß ich, wer aus eigener Überzeugung gekommen ist. Wer gerne hier ist, weil es auch Tradition ist und wer sich gar genötigt und gelangweilt fühlt, hierher kommen zu müssen.

 

Ich weiß wohl, dass viele den Volkstrauertag ausschließlich mit dem Gedenken an die gefallenen und vermissten Kameraden sowie den Millionen Kriegstoten der Weltkriege in Verbindung bringen: Was geht mich das an? Das ist längst Geschichte. Darüber hinaus mussten wir mit dem Krieg in der Ukraine wiederum feststellen, dass man aus den geschichtlichen Ereignissen – im Besonderen den Erfahrungen, was die Weltkriege an Leid, Not und Tod gebracht haben – anscheinend nichts gelernt hat. Keiner konnte sich in den vergangenen Jahrzehnten vorstellen, dass es trotz Widerstand der Weltengemeinschaft sich ein nahezu Spiegelgleiches wiederholt: ein ruhmbesessenes Regime unter der Führung eines Einzelnen gelingt es, unschuldige Menschen ins Verderben zu treiben. Egal, ob er der angebliche Feind ist oder die eigenen Soldaten einer Idee geopfert werden. Sei es einfach ein Verrückter – denn sonst würde man doch heute keinen Krieg mehr führen – oder ein rücksichtsloser, kalter Machtpolitiker; was macht das schon für einen Unterschied mögen manche einwenden, denn es ändert ja nichts daran, dass Putin mit diesem Krieg offenkundig etwas ganz Abscheuliches tut und Tod und Verderben über unzählige Menschen bringt, um sein Ziel zu erreichen.

 

Der russische Überfall auf die Ukraine begann am 24. Februar 2022. Nur 2.000 km oder 20 Autostunden sind wir von diesem Krieg entfernt und fühlten die ersten Kriegstage dennoch, als würde man bei uns einmarschieren. Ungläubig und fassungslos, aber auch hilflos schien die ganze Welt dem Treiben zuzuschauen. Hautnah war auch unsere Gemeinde mit den Flüchtlingen konfrontiert und die Hilfsbereitschaft war groß. Wir waren im Übrigen auch eine der ersten Gemeinden im Landkreis, die in Eigeninitiative Unterkünfte zur Verfügung stellte, wo andere noch darüber diskutierten, wie man die Flüchtlingsflut bewältigen kann. Heute, kaum acht Monate später ist alles beim Alten – fast!

 

Kaum einer spricht noch darüber, denn die Medien haben sich ausgetobt und ihre Berichterstattung wieder auf andere Ziele gelenkt. Hätten wir nicht nach wie vor Kriegsflüchtlinge in unserer Gemeinde und würden die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht so eklatant auf unseren Geldbeutel drücken, was würde man tatsächlich noch vom Krieg in Europa wahrnehmen? Von diesem Krieg, der Tag für Tag unschuldige Menschen leiden lässt sowie der hineingehetzten Soldaten den Tod bringt. Der Krieg, vor dem die Diplomatie versagt.

 

Schnell haben uns inzwischen unsere eigenen Wohlstandsprobleme wieder eingeholt und es wird uns unsere Unselbständigkeit und Abhängigkeit vor Augen geführt. Und ich traue mir auch zu sagen, dass meines Erachtens nicht jede Teuerungsrate auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen sein muss. Nichts desto trotz werden wir damit umgehen und leben müssen, was uns die Auswirkungen dieses Krieges in der Ukraine in unseren Alltag bringt. Ob es gerechtfertigt ist, dass wir nun jammern, weil wir mit zwei Grad weniger wohnen und arbeiten sollen, muss jeder für sich selbst beantworten.

 

Von mir nur der Hinweis: Wir haben noch Glas in unseren Fenstern, die die Wärme zurückhalten. In den Kriegsgebieten leben die Menschen in überwiegender Zahl in Ruinen ohne Fenster, Heizung und jeglicher Versorgung… wie damals in den ausgebombten Städten Deutschlands, wo zudem gewaltige Flüchtlingstrecks aus Ostpreußen, aus Schlesien und Pommern und damit Millionen Vertriebene in den Wintermonaten 1944/45 bei Schnee und Kälte – zumeist zu Fuß mit Handwagen oder mit Pferdefuhrwerken – unterwegs waren und vor ihren Peinigern flohen. Und ja, das ist Geschichte. Eine, die wir nie mehr erleben wollen.

 

Der Volkstrauertag hat seinen Ursprung im Gedenken an die Opfer der Weltkriege. Wenn sich die dritte und vierte Generation seit Kriegsende damit aber nun nicht mehr identifizieren kann - was nicht heißen soll, dass sie dabei den Ursprungsgedanken verliert -, sollten wir aber nicht minder in dankbarer Erinnerung, dass wir seit 77 Jahren in einem wohlumsorgten Frieden leben dürfen, diesen Tag begehen. In allen Gedanken, die ich um den Volkstrauertag in den vergangenen 18 Jahren niedergeschrieben habe, ist bei mir längst ein neuer Name für diesen Tag des Gedenkens erwachsen. Für mich ist es der Tag des Friedens und der Versöhnung.

 

Ob ich mit meinen diesjährigen Gedanken Erfolg habe, zum Gedenkgottesdienst anlässlich des Volkstrauertages zu bewegen, wird sich zeigen. Mich würde es aber ungeheuer stolz machen, wenn sich der ein oder andere für den „Tag des Friedens und der Versöhnung“ eine Stunde Zeit nimmt.

 

Karl Malz

1. Bürgermeister

 

 

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